{"id":15253,"date":"2021-09-08T10:47:55","date_gmt":"2021-09-08T09:47:55","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=15253"},"modified":"2021-09-08T10:47:58","modified_gmt":"2021-09-08T09:47:58","slug":"papst-franziskus-in-ungarn-freude-und-politische-spekulationen-vor-dem-kurzbesuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/omnes.blog\/?p=15253","title":{"rendered":"Papst Franziskus in Ungarn: Freude und politische Spekulationen vor dem Kurzbesuch"},"content":{"rendered":"\n<p>Der 52. Eucharistische Weltkongress in der ungarischen Hauptstadt Budapest hat am Sonntag begonnen \u2013 mit einer Erstkommunion von 1.200 Kindern. Doch der eigentliche H\u00f6hepunkt wird am kommenden Sonntag die Abschlussmesse mit Papst Franziskus auf dem pr\u00e4chtigen Budapester Heldenplatz sein. Sie wird als \u201estatio orbis\u201c konzipiert \u2013 das hei\u00dft, sie verweist auf die fr\u00fchchristliche Tradition der \u201estatio urbis\u201c, als der Bischof einer Stadt eine einzige Messe feierte, an dem alle Gl\u00e4ubigen teilnahmen. Bei dem Ereignis am Sonntag soll diese Verbundenheit der Gl\u00e4ubigen mit dem Heiligen Vater auf die gesamte Kirche ausgeweitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Papst Franziskus stattet Budapest einen Besuch von wenigen Stunden ab, bevor er noch am gleichen Tag in die Slowakei zu einem mehrt\u00e4gigen Besuch weiterreist.<\/p><div class=\"lerox-placement-margin\" style=\"margin:32px 0 32px 0;\"><div class=\"lerox-ad lerox-ad-image\" data-ad-id=\"1\"><a href=\"https:\/\/leroxstudio.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/omnes.blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/www.url_.com_.gif\" width=\"800\" height=\"850\" alt=\"\" loading=\"lazy\" style=\"display:block;max-width:100%;\"><\/a><\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Die katholische Kirche in Ungarn hatte den Kongress, der eigentlich schon im September 2020 h\u00e4tte stattfinden sollen, aber wegen der Corona-Pandemie verschoben wurde, sehr erwartet. Es ist nicht allt\u00e4glich, in einem relativ stark s\u00e4kularisierten Land wie Ungarn ein derart gro\u00dfes Glaubensfest feiern zu k\u00f6nnen, das auch die Aufmerksamkeit von Nicht-Katholiken und Nichtchristen erweckt. Wenn sogar ein Papst zu Besuch kommt, ist die Aufmerksamkeit noch mehr gesichert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die katholische Bischofskonferenz hatte sich daher bem\u00fcht, eine Belastung des Eucharistischen Kongresses durch politische Themen m\u00f6glichst zu vermeiden \u2013 was im Vorfeld allerdings nicht ganz gelang. Anfang Juni meldete das katholische US-Portal National Catholic Register, dass der Papst die Repr\u00e4sentanten des ungarischen Staates, insbesondere Ministerpr\u00e4sident Viktor Orb\u00e1n, nicht treffen wolle. Polnische Medien legten kurze Zeit sp\u00e4ter nach: Grund daf\u00fcr sei Orb\u00e1ns restriktive Migrationspolitik, die gar nicht auf der Linie des Papstes liege. Das sei wohl auch die Ursache daf\u00fcr, dass Franziskus in Ungarn nur wenige Stunden verbringen wolle, wurde spekuliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Nachrichten riefen umgehend heftige und offene Papstkritik vonseiten einiger Kommentatoren hervor, die der ungarischen Regierungspartei Fidesz nahestehen. Letztlich musste die Bischofskonferenz selbst eingreifen und \u00f6ffentlich betonen, dass \u201eselbstverst\u00e4ndlich\u201c ein Treffen des Papstes mit den h\u00f6chsten Repr\u00e4sentanten des ungarischen Staates geplant sei. Die Begegnung des Heiligen Vaters mit Orb\u00e1n und Staatspr\u00e4sident J\u00e1nos \u00c1der soll nun im Vorfeld der Heiligen Messe im Museum der Sch\u00f6nen K\u00fcnste stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Regierungspartei Fidesz, an deren Spitze Orb\u00e1n steht, regiert seit 2010 fast durchgehend mit einer Zweidrittelmehrheit im Land. Parteinahe Pers\u00f6nlichkeiten und Unternehmen dominieren mittlerweile weite Bereiche des \u00f6ffentlichen Lebens, der Wirtschaft, der Kultur und der Medien. Die rechtsnationale Partei gibt sich weltanschaulich betont konservativ und zeigt sich sehr kirchenfreundlich. Orb\u00e1n, der selbst der reformierten (calvinistischen) Kirche angeh\u00f6rt, nimmt gern an katholischen Veranstaltungen und Liturgien teil und betont in der \u00d6ffentlichkeit seinen christlichen Glauben. Erst k\u00fcrzlich war er in Rom bei einer Tagung katholischer Parlamentarier zugegen. Doch in der Migrationspolitik gab es aus Ungarn immer wieder auch heftige Kritik an der Linie des Papstes &#8211; zwar nicht von der Regierung selbst, aber von ihr nahestehenden Pers\u00f6nlichkeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die medialen Spekulationen \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Vatikan und dem ungarischen Staat sollen indes die Glaubensbotschaft des Kongresses und des Papstbesuches nicht verdecken, w\u00fcnschen sich die Organisatoren. Dazu wurde einiges aufgeboten: Zw\u00f6lf prominente Pers\u00f6nlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft legten w\u00e4hrend der Vorbereitungen als \u201eVerk\u00fcnder\u201c Zeugnis f\u00fcr ihren Glauben ab. Vor Beginn der Papstmesse auf dem Budapester Heldenplatz findet ein zweist\u00fcndiges Konzert statt, in dem bekannte Musiker ihre Zugeh\u00f6rigkeit zu Jesus Christus bezeugen. Das kunstvolle Missionskreuz, das urspr\u00fcnglich f\u00fcr die Stadtmission 2007 geschnitzt worden war, wurde mit einer Kreuzreliquie und zahlreichen Reliquien ungarischer Heiliger und Seliger versehen und durch das Land getragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine besondere Bedeutung hat die Hymne des Kongresses: Sie erinnert daran, dass in Budapest schon einmal ein Eucharistischer Weltkongress stattgefunden hat, n\u00e4mlich im Jahr 1938. Es wurde n\u00e4mlich entschieden, erneut die damalige Hymne zu verwenden, wenn auch mit moderner Orchestrierung. Im Mai 1938 gab es zwar keinen Besuch eines amtierenden Papstes in der ungarischen Hauptstadt, daf\u00fcr sprach Kardinalstaatssekret\u00e4r Eugenio Pacelli \u2013 der sp\u00e4tere Papst Pius XII. &#8211; die Er\u00f6ffnungsrede. Er nannte darin in deutlichen Worten Ungarn ein \u201eBollwerk\u201c gegen Kommunismus und Nationalsozialismus.Eineinhalb Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde diese kirchliche Gro\u00dfveranstaltung n\u00e4mlich deutlich von politischen Konflikten \u00fcberschattet: Adolf Hitler hatte kurzerhand ein Sondervisum f\u00fcr alle Deutschen eingef\u00fchrt, die in der Zeit des Kongresses nach Ungarn reisen wollten, um die Teilnahme deutscher Katholiken an der Feier zu verhindern. Da nur zwei Monate vor Kongressbeginn zudem der \u201eAnschluss\u201c \u00d6sterreichs an Deutschland stattfand, galt dies auch f\u00fcr die \u00f6sterreichischen Katholiken, die zuvor in gro\u00dfer Zahl erwartet worden waren. Letztlich fanden trotzdem 50.000 internationale Besucher den Weg nach Budapest, an den Veranstaltungen nahmen nach Sch\u00e4tzungen mehrere Hunderttausend Menschen teil. F\u00fcr die jetzige Papstmesse haben sich immerhin bereits mehr als 75.000 Gl\u00e4ubige registriert, zahlreiche weitere Gruppen werden erwartet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 52. Eucharistische Weltkongress in der ungarischen Hauptstadt Budapest hat am Sonntag begonnen \u2013 mit einer Erstkommunion von 1.200 Kindern. Doch der eigentliche H\u00f6hepunkt wird am kommenden Sonntag die Abschlussmesse mit Papst Franziskus auf dem pr\u00e4chtigen Budapester Heldenplatz sein. 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